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Oh DFB, oh DFB, wie lila sind deine Blätter?

Frankfurt am Main. Die Duplizität der Ereignisse vergangener Jahre trieb einen Keil zwischen den gemeinen Fußballfan und den einst hochgelobten Deutschen Fußball-Bund. Es sind Korruptionsvorwürfe, unkontrollierte Kommerzialisierung und fehlende Fan-Nähe, die immer wieder zu hitzigen Diskussionen, vorrangig in den Sozialen Medien, zuweilen allerdings auch in den Stadien der Bundesrepublik ihren Höhepunkt finden. Durch Sprechchöre und Banner. Es werden „Anti-DFB“-Gruppen gegründet oder Shirts mit „Fußballmafia-DFB“ verkauft. Die breite Zustimmung dafür ist nicht gerade gering. 

Das Verhältnis zwischen DFB und Fans ist distanziert und kühl, doch feurig zugleich. Denn es kommen immer mehr Emotionen ins Spiel. Negative Emotionen. Wut, Hass und Zorn. Entfacht durch Schmiergeld-Affären, fehlende Transparenz und einer immer mangelhafteren Kommunikation. So weit, so bekannt. 

Die Quittung dafür sind Länderspiele, die teils gar nicht mehr geschaut werden. Wo man als kleiner Junge damals nachmittags noch vorschlafen musste, um abends eine dieser seltenen Partien der Nationalmannschaft zu sehen. Wo man am Tag danach auf dem Bolzplatz die Highlights nochmal nachspielte. Die Stadien sind, obgleich der hohen Preise, weiterhin gut besucht. Schließlich hat man nicht tagtäglich die Chance, die besten Fußballer des Landes mal gleichzeitig auf dem Platz zu sehen. Doch die Stimmung wird schlechter. Ab und zu ertönen unkontrollierte Laute eines überalkoholisierten Zuschauers von den Rängen. Teilweise dominieren die Ansagen der Trainer die Lautsprecherboxen des Heimkinos. Für den Kommentator nicht einfach und teilweise eine echte Herausforderung, den Zuschauern jene Spiele noch schmackhaft zu machen. Das war mal anders. Was nicht bedeutet, dass früher alles besser war. Und alles so bleibt, wie’s hier ist. Um es mal in den frauengetauschten Worten des großen Andreas zu sagen. Doch es fehlt ein Gefühl. Es fehlt das Prickeln. Wie bei einem schalen, halben Liter Bier. 

Was können wir tun und was kann der DFB tun? Nun, dass die Fußballfans und der Deutsche Fußball-Bund aufeinander angewiesen sind, steht außer Frage. Der Dachverband organisiert 26 Fußballverbände. Mit fast 7 Millionen Mitgliedern durch die angeschlossenen Vereine ist der DFB der größte nationale Sport-Fachverband der Welt. Und der deutsche Fußballer wohl einer der zahlungskräftigsten Fans der Welt. Der Markt ist riesig. Das wissen nicht zuletzt auch UEFA und FIFA. Verbände, die ebenfalls immer wieder in einen Korruptionsschlamassel geraten. Wo andere Bereiche der Gesellschaft versuchen, grüner zu werden, scheint es, dass Fußballverbände lilaner werden. Als hätte so manch ein Funktionär zu oft Bushido mit „Lila Scheine lügen nicht“ gehört. Profit zu machen ist nicht schwer, nicht gierig zu werden, umso mehr. Und so sollte sich jeder Einzelne immer fragen, wie Sinn stiftend ist das, was ich tue gerade. Ist ein Koffer voll Geld es wert, dass bis zur WM in Katar dreitausend Menschen beim Bau der Stadien sterben werden? Was hilft die persönliche Bereicherung, wenn dafür die Fußballkultur in Deutschland ausstirbt?

Wir sollten alle gemeinsam wieder Werte entwickeln. Ja, der Fußball ist ein Milliardengeschäft. Und das ist verdammt geil. Denn es ist nichts schöner, als sich jeden Tag mit dem für uns besten Sport der Welt zu beschäftigen. Doch wir dürfen nie vergessen, wo wir herkommen. Und es dürfen nicht einzelne entscheiden, wo die Reise hingehen wird. Vielleicht würde dabei auch helfen, wenn das deutsche Volk wieder an einem Strang zieht. Wenn die Politik aus dem Fußball verschwindet. Wenn man die Nationalhymne singen kann, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Weil es ein Wir-Gefühl weckt. Jenes Wir-Gefühl, dass 2006 so etwas Positives in unserem Land bewirkte. Ja, auch diese Weltmeisterschaft lief bei der Vergabe nicht ganz sauber. Doch unabhängig davon spürte man gegenseitiges Vertrauen im ganzen Land. ohne dabei politisch zu werden. Heute distanzieren sich Funktionäre in Politik und Gesellschaft, somit auch im Fußball, immer mehr vom normalen Bürger. Und das ist schlecht. 

Wir müssen mehr miteinander reden und unserem Gegenüber auch zuhören. Wir müssen bereit sein für Veränderung und weg vom Ego hin zur Gemeinschaft kommen. Offen sein für Neues. Moralische Werte bewahren. Anstand und Respekt im Dialog schützen. Sprechen, damit wir gemeinsam die Entwicklung des Fußballs gestalten können. Fans und Funktionäre zusammen. Denn niemand ist etwas Besseres. Weil wir früher alle auf dem Bolzplatz standen. Und wir vor Gott, oder wem auch immer, alle gleich sind. Somit hat auch niemand das alleinige Recht, die Fußballkultur in Deutschland zu konstruieren.

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