"Gemeinsam Siege zu feiern, ist doch das Schönste, was es gibt"

 

Dynamo-Profi Stefan Kutschke erblickte am 3. November 1988 in Dresden das Licht der Welt. Der 1,94 Meter große Hüne ist eines der letzten DDR-Kinder. Als Stefan knapp ein Jahr alt war, fiel die Mauer. Doch seine Reiselust war anfangs noch verhalten. So pendelte er während seiner Jugend lediglich innerhalb Dresdens zwischen den Vereinen.

 

Im Jahr 2008 wechselte Stefan Kutschke dann in die Regionalliga zum SV Babelsberg 03, mit dem er 2010 auch in die 3. Liga aufstieg. Die Reise führte den 27-jährigen dennoch zum Regionalliga-Aufsteiger RB Leipzig. Dort kickte Stefan drei Jahre und erzielte in 82 Spielen 25 Treffer. Zwei davon schoss er sogar in der Relegation zur 3. Liga. Danach verschlug es den Dresdener nach Wolfsburg in die erste Liga, wo er gleich bei seinem Debüt gegen den FC Schalke 04 sein erstes Bundesligator schoss.

 

Die nächste Station seiner Reise war der SC Paderborn 07. Das Wunder des Klassenerhalts konnte auch Stefan nicht herbeiführen. Im Sommer 2015 unterschrieb der Torjäger dann beim 1. FC Nürnberg. Dort gelang ihm die Integration in die Stammelf nicht, da Vereinsführung und Trainer unterschiedliche Vorstellungen hatten. Es folgte eine mediale Zerreißprobe. Doch Stefan blieb stark, ging daran nicht kaputt. Und dennoch entschied er sich, zurück zu den Wurzeln zu gehen. Er einigte sich in der Winterpause mit der SG Dynamo Dresden, die ihn seither ausleiht. Für Stefan und den Verein geht der Weg höchstwahrscheinlich in die 2. Liga, was die Stadt Dresden elektrisiert und beflügelt. Auch ohne Brause. Henoch Förster, Gründer vom Fashionlabel bolzplatzkind, stellte dem sympathischen Stürmer ein paar Fragen.

 

Stefan, das Jahr 2015 ist Geschichte. Was hast Du für 2016 auf dem Plan, was können wir von Dir erwarten? Auf alle Fälle soll es sportlich besser laufen als 2016. Der Abstieg mit Paderborn aus der Bundesliga und das halbe Jahr in Nürnberg waren für mich nicht zufriedenstellend.

 

Du bist in Dresden groß geworden, wie heimatverbunden bist Du? Sehr! Lächelt Ich verbrachte meine freie Zeit immer in Dresden bei meiner Familie und Freunden. Ich bin immer gern Heim gekommen, weil ich Zuhause die Kraft tanken konnte, die ich brauche.

 

Wo genau war Dein Bolzplatz früher und gibt es ihn heute noch? Er war 400 Meter Luftlinie von meinem Elternhaus entfernt. Damals noch ein Schotterplatz mit rostigen Toren ohne Netze. Heute ist es jedoch eine moderne Sportanlage auf höchstem Niveau, auf der ich gerne mit meinem vierjährigem Neffen zocke. Lacht.

 

Was war für Dich das Schönste am Bolzplatz? Die Freiheit, einfach zu spielen können, wie man will. Man war immer mit Freunden und Gleichgesinnten unterwegs.

 

Folgendes Szenario: Du hast ein Megaphon in der Hand, die ganze Welt hört Dich. Du darfst genau einen Satz sagen. Wie lautet der? Lebt jeden Tag so, als wäre es der letzte!!!

 

Wie bewertest Du das Leben eines Fußballprofis, ist es einfach nur purer Spaß, locker bisschen kicken und Geld ausgeben? Das ist sicherlich das Bild vieler Mitmenschen. Doch es gehört weit aus mehr dazu. Der tägliche Druck im Training immer Topleistung bringen zu müssen. In negativen Zeiten die Schlagzeilen der Presse zu ertragen, wie schlecht man doch sei und was man nicht könne. Du musst außerdem auf viele Sachen verzichten, die zum Beispiel deine Jungs einfach am Wochenende machen können. Das Fußballerleben ist begrenzt, deswegen ordne ich jetzt alles diesem Traum unter und genieße dann danach alle Dinge, die ich bisher noch nicht erleben konnte.

 

Welcher Fußballer hat Dich warum bisher am meisten beeindruckt? Immer wieder ist es Zlatan Ibrahimovic. Dieser Mensch ist unfassbar. Ich kenne alle seine YouTube-Videos. Was er für eine Karriere hingelegt hat, ist bemerkenswert. Er hält große Ansprachen und lässt noch größere Taten folgen!!!

 

Wer ist Deinem Leben ein Vorbild, unabhängig vom Fußball? Ganz klar meine Mutter. Ihr verdanke ich alles, was ich jetzt habe. Doch unabhängig davon ziehe ich meinen Hut vor Leuten, die aufgrund von schweren Krankheiten nur ein begrenztes Leben haben und trotzdem das Beste daraus machen!

 

Man hört viel über sportliche Leistung im Zusammenspiel mit der Ernährung. Was kannst Du dazu sagen? Sehe ich genauso. Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil unseres Berufes. Ich zum Beispiel habe jetzt auch komplett mein Frühstück umgestellt und mir Premium-Müsli besorgt, was mir einfach vor dem Training die nötige Kraft gibt.

 

Blicken wir mal 30 Jahre in die Zukunft. Was macht Stefan Kutschke da, wie und wo lebt er? Ich hoffe ich habe eine Familie gegründet und alle sind gesund. Natürlich möchte ich in meiner Heimatstadt Dresden bleiben. Ich habe im Öffentlichen Dienst eine Ausbildung abgeschlossen. Vielleicht kehre ich dahin zurück. Lacht

 

Was gibst Du den Millionen Kreisligaspielern mit auf den Weg für ihre Spiele? Genießt es einfach, gesund zu sein. Und verliert nie den Spaß am Fußball. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, gemeinsam Siege zu feiern, ist doch das Schönste, was es gibt.

 

 

Wir danken Stefan Kutschke für das Interview mit bolzplatzkind und wünschen ihm viel Erfolg in Dresden, vor allem jedoch Gesundheit.