"Ich habe keine Angst mehr vor Fehlern!"

 

 

Marvin Stefaniak wurde 1995 in Hoyerswerda (Sachsen) geboren und ist Profispieler bei der SG Dynamo Dresden. Erst vor einem Monat hat er seinen Vertrag bis 2020 verlängert. Und das als U20-Nationalspieler in der 3. Bundesliga. Ein Statement für den Verein, ein Statement für die Region. Sein Ziel ist die 1. Bundesliga, gerne mit Dynamo. Der Mittelfeldspieler fühlt sich am wohlsten auf Linksaußen, kann optional allerdings auch in der Zentrale oder Rechtsaußen eingesetzt werden. In dieser Saison hat er in 16 Spielen ein Tor erzielt und unglaubliche 14 Tore vorbereitet. Marvin ist ein Spielertyp irgendwo zwischen David Beckham und Kevin de Bruyne. Bolzplatzkind-Gründer Henoch Förster sprach mit dem Dresdner über Dinge, die einen jungen Profifußballer beschäftigen.

 

 

Marvin, Du kommst sehr glücklich und ausgeglichen rüber. Bist Du ein zufriedener Mensch? Ich bin sehr zufrieden mit meiner Gesamtsituation derzeit und freue mich, jeden Tag gesund auf dem Platz stehen zu dürfen.

 

 

Was treibt Dich im Leben an? Mich treibt einfach die Tatsache an, dass ich schon so lange Fußball spiele und da immer alles gegeben habe. Und jetzt begreife ich erst, was ich erreicht habe.

 

 

Wo und wann hast Du angefangen, auf den Bolzplatz zu gehen? Und gibt es Deinen alten Bolzplatz heute noch? Wir hatten unseren ganz persönlichen Bolzplatz. Ich war mit meinen Freunden immer vor dem Haus, da standen Wäschestangen, auf die wir gespielt haben. Da haben wir dann gekickt, bis die Sonne unterging. Oft auch länger. Und diese Wäschestangen gibt es heute noch.

 

Was hast Du auf dem Bolzplatz am liebsten gemacht, Schießen, Tricks üben oder Weltmeister spielen? Lacht. Ich habe am liebsten mit meinen Freunden Weltmeister gespielt. Die Tricks kamen so von ganz allein. Das Schießen habe ich dann öfter und intensiver trainiert, als ich etwas älter war.

 

Welches Gefühl auf dem Bolzplatz ist für Dich das schönste? Einfach Spaß am Fußball zu haben und den anderen zu zeigen, dass du der Beste bist.

 

Wenn Du heute im Stadion spielst, unter dem Druck der inneren und äußeren Erwartungshaltung, wie frei kannst Du spielen? Bist Du durch und durch das unbeschwerte Bolzplatzkind? Am Anfang hatte ich sehr viel Druck und stets die Angst, einen Fehler oder sonst irgendwas falsch zu machen. Doch jetzt weiß ich mittlerweile, was ich drauf habe und dass ich vor Fehlern keine Angst haben muss. Und wenn ich mal einen schlechten Tag erwische, dann versuche ich mit kämpferischer und läuferischer Leistung zu überzeugen.

 

 

Was war Dein persönliches Highlight in der aktuellen Profikarriere? Mein persönliches Highlight war das Startelfdebüt in der 2. Liga mit Dynamo Dresden. Wir spielten gegen Energie Cottbus und ich machte ein sehr gutes Spiel. Und genau in diesem Sommer war auch meine Teilnahme bei der WM in Neuseeland mit der U20. Sowas vergisst du einfach nicht und das wird mich auch ewig begleiten.

 

 

Was sagst Du zur Dynamo-Choreografie vor zwei Wochen, zu Europas größter Fahne? Und wenn man sowas als Spieler sieht, gibt es Dir dann noch einen Extraschub für das Spiel? Wir alle können stolz darauf sein, solche Fans im Rücken bei uns im eigenen Stadion zu haben. Dass nun ausgerechnet wir das in der 3. Liga miterleben durften, die größte Fahne Europas zu sehen, ist einfach unglaublich. Jeder, der da auf dem Platz stand, hatte Gänsehaut pur. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, von diesen Fans angetrieben zu werden. Die geben teilweise ihr ganzes Leben für Dynamo. Das schätze ich sehr wert. Wir versuchen das mit Leistung zurückzugeben.

 

 

Wie ist Dein Verhältnis zum Trainer und wie kommt er bei Euch an? Ich komme mit dem neuen Trainer Uwe Neuhaus sehr gut zurecht. Er weiß, wie er mit jüngeren und älteren Spielern umgehen muss. Man merkt auch, dass er sehr erfahren ist und viel von seinem Beruf versteht.

 

 

Was hast Du persönlich mit Dynamo noch vor, welche konkreten Ziele haben Mannschaft und Verein? Also dieses Jahr wollen wir auf jeden Fall aufsteigen. Danach werden wir sehen, was die Zukunft für Dynamo und auch für mich bringt.

 

 

Nehmen wir an, Du spielst für die Nationalmannschaft das WM-Finale 2022 in Katar. Es steht 0:0, wir sind bereits in der Nachspielzeit. Elfmeter für Deutschland. Nimmst Du Dir den Ball und trittst an? Lacht. Was ist das für eine Frage. Wenn niemand antreten möchte und Angst hat, trete ich natürlich an und haue das Ding rein.

 

 

Wir danken Marvin Stefaniak für das nette Gespräch und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute, vor allem Gesundheit. Vielleicht wird er schon 2018 in Russland den Weg zum Titel bereiten, vielleicht wird er schon dort zeigen, was ihm die Wäschestangen vor dem Haus gelehrt haben.