"Ich bin jeden Morgen dankbar, dass ich das Leben genießen darf"

 

Aziz Bouhaddouz wurde am 30. März 1987 in Berkane (Marokko) geboren. Seit 2016 steht der Deutsch-Marokkaner beim FC St. Pauli unter Vertrag. Der 1,90 große Stürmer lernte das Kicken selbstverständlich auf dem Bolzplatz, doch schnürte er dann auch irgendwann die Fußballschuhe für den FC Dietzenbach. 2003 begann seine große Fußballreise. Erst Neu-Isenburg, dann ging es über den FSV Frankfurt zum FC Erzgebirge Aue. Es folgten der SV Wehen Wiesbaden, Viktoria Köln. Bayer Leverkusen und der SV Sandhausen. Jetzt kickt er am Millerntor für den Hamburger Kiezklub in der Zweiten Liga. Wir trafen den marokkanischen Nationalspieler im Stadtcafé Ottensen zu einem Interview. Aziz ist ein sehr offener und sympathischer Mensch, der bei all seiner Lockerheit einen ganz klaren Fokus hat und auch einen messerscharfen Verstand besitzt. Was auffällt: Vor unserem Treffen erzielte Bouhaddouz in sieben Monaten fünf Tore. Nach unserem Treffen machte er einen Hattrick gegen Karlsruhe, traf in den zwei darauffolgenden Spielen auch jeweils. In der Summe schoss Aziz in drei Monaten nun acht Tore. Hat ihm der Gedanke an seine Kindheit, hat ihm der Bolzplatz Kraft und Mut gegeben?

 

Was gefällt Dir am FC St. Pauli?

St. Pauli ist ein großartiger Verein mit riesigem Potenzial. Für mich gehört der Klub in die Bundesliga. Hamburg ist eine super Stadt mit tollen Fans. Schon damals bei Auswärtsspielen hat es als Spieler immer Spaß gemacht, am Millerntor zu spielen. Die Fans unterstützen uns auch in schwierigen Zeiten. Deswegen macht es auch eine unfassbar gute Laune, bei diesem Verein zu kicken. Und ich freue mich, das Trikot des FC St. Pauli zu tragen.

 

Was willst Du in Deiner Karriere noch erreichen?

Mein Ziel ist es, Bundesliga zu spielen. Das ist der Traum eines jeden Spielers. Deshalb bin ich auch ans Millerntor gekommen, um mit den Jungs hier aufzusteigen. Leider ist es uns dieses Jahr nicht gelungen. Heute bin ich allerdings optimistisch, dass wir die Klasse halten und nächstes Jahr dann hoffentlich auch eine gute Rolle spielen werden.

 

Auf welchem Bolzplatz hast Du mit Fußball angefangen und gibt es ihn heute noch?

Wir haben früher immer auf einem Gummiplatz in Dietzenbach gezockt. Immer nach der Schule. Und dann bis spät abends. Ja, da bin ich aufgewachsen und groß geworden. Das hat einfach riesengroßen Spaß gemacht.

 

Du hast ein Megaphon, die ganze Welt hört dich und du darfst einen Satz sagen: Wie lautet er?

Da möchte ich einen Satz sagen, der mich weit gebracht hat und mich persönlich auch immer begleiten wird: „Kämpfe, hab Deine Ziele immer vor Augen und gib alles, um Deine Träume zu verwirklichen.

 

Welche drei Deine Lieblingsfußballer?

Ibrahimovic, Lewandowski und Ronaldo.

 

Was für ein Gefühl ist es, Länderspiele für Marokko zu machen und was war bei der Nationalelf bisher Dein Highlight?

Marokko ist ein Traum. Ich denke, es ist für jeden Kicker ein Traum, für sein eigenes Land zu spielen. Es ist Gänsehaut pur, wenn man das erste Spiel macht. Deswegen habe ich immer ein geiles Gefühl. Vor allem, wenn man erfolgreich sein kann.

 

Warst Du schon immer Stürmer und was sind Deine besten Qualitäten in der Offensive?

Ich war immer Stürmer. Mit einer Ausnahme, denn in der C-Jugend habe ich es im Derby mal als Torwart versucht. Da haben wir 10:0 verloren. Da habe ich meinem Kollegen die Handschuhe wieder zurückgegeben und seitdem weiß ich, dass ich zu 100% Stürmer bin (lacht). Auch, wenn ich beim FSV Frankfurt ein paar Spiele auf der Außenbahn im offensiven Mittelfeld gekickt habe. Im Zentrum fühle ich mich einfach am wohlsten.

 

Was kannst Du den kleinen Kids auf dem Bolzplatz mitgeben? Welche Tipps kannst Du auf dem Weg zum Fußballprofi empfehlen?

Die Schule ist das Wichtigste. Und dennoch sollen die Kinder Träume und Ziele haben, die sie in der Freizeit verfolgen. Ich weiß nicht, ob es noch so viele Bolzplätze gibt in Deutschland wie vor 15 Jahren. Wenn einer in der Nähe ist, dann nach der Schule unbedingt rauf da. Und die Kinder sollen nie aufgeben.

 

Wer war Dein stärkster Gegenspieler in der bisherigen Karriere?

Da müsste ich nochmal nachschauen (lacht). Medhi Benatia ist so einer. Auch, wenn es nur im Training war.

 

Was gibt Dir jeden Morgen Kraft, aufzustehen? Was treibt Dich im Leben an?

Ich bin jeden morgen dankbar, dass ich das Leben genießen darf. Dass ich mein Traum leben kann. Es ist immer schön, sein Hobby als Beruf machen zu dürfen. Dafür tue ich auch alles, damit ich noch weitere Jahre auf hohem Niveau Fußball spielen kann. Dafür bin ich unendlich dankbar. Das gibt mir Kraft im Leben.

 

Wer wird warum 2018 in Russland Weltmeister?

Marokko (lacht). Ich hoffe, dass wir uns qualifizieren und dann werden wir Weltmeister.

 

Wir wünschen Aziz Bouhaddouz alles Gute. Persönlich und auch beruflich, dass er mit seinem FC St. Pauli und auch Marokko die Ziele erreicht. Mögest Du noch zahlreiche Tore schießen und die Fans dieser Welt auf den Tribünen begeistern.